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Mai 2020

ROUTINE UND MITGEFÜHL – KRISE ALS GRUNDKURS IN RESILIENZ

 

Das Wissen um Resilienz stärkende Werkzeuge und Ressourcen ist nicht in Gold aufzuwiegen in Tagen wie diesen. Wenn gewohnte Handlungen unwillkürlich durch äußere Einwirkung unterbrochen werden, kommt jede/r von uns innerem Chaos und existentiellen Ängsten unangenehm nahe. An der Stelle bietet sich die Chance, diesen Erfahrungen inneren Halt zu geben anstatt verunsichernde  Gedanken zu wälzen. Containment (Halt) und Stabilität sind an bestimmte Grundbedingungen geknüpft.

 

Der niederländische Trauma-Experte und Psychiater Bessel van der Kolk formuliert drei grundlegenden Bedürfnisse, um während der Pandemie bei geistiger Gesundheit und resilient zu bleiben, die ich gerne mit euch teilen möchte. Erstens sind soziale Kontakte, auch online, für unser Sicherheitsempfinden grundlegend wichtig. Es kann auch fein sein, gemeinsam mit FreundInnen online zu kochen, zu trainieren, sogar singen ist möglich. Zweitens ist der Klang vertrauter Stimmen (auch unsere eigene) wie Musik für unser Gehirn. Selbst zu singen, wirkt stabilisierend auf unser Nervensystem (und dabei geht’s nicht um die Performance ;). Drittens trainieren wir unser Gehirn wenn wir körperliche Bewegung machen gleichzeitig mit Muskeln und Gewebe. Yoga, Boxen, Tai Chi, Laufen, Krafttraining, gleichmäßiges Gehen, Kung Fu – alles ist erlaubt – wenn möglich sogar in der freien Natur.

 

Auf diese Art drücken wir uns aus, fühlen uns emotional verbunden und tun etwas für uns selbst, Grundbedürfnisse menschlicher Sicherheit. Gerade, wenn du traumatische Erfahrungen in deinem Leben gemacht hast, ist es besonders wichtig, ein wenig von allem langsam und regelmäßig aufzubauen, selbst wenn der Anfang manchmal schwer scheint. Damit aus einer neuen Angewohnheit Routine wird, muss sie einfach nur 30 Tage wiederholt werden. Wenn die Überwindung schwerfällt, fang mit kleinen Schritten an – und vor allem, fang immer wieder an! Du hast ein Leben lang Zeit!

 

Erhalten wir diese neuen Routinen aufrecht, haben wir eine gute Grundlage, um herausfordernde Gefühle die mit den Erfahrungen der letzten Wochen einhergegangen sind, verdauen zu können. Mit zunehmender äußerer Sicherheit wird uns mehr und mehr bewusst, dass wir am Weg in eine neue Zeit sind. Noch wissen wir nicht viel. Wir spüren mehr die Veränderung. Und mit dem Spüren kommen all die Gefühle, die in den hektischen vergangenen Wochen nicht so viel Platz hatten, an die Oberfläche: Unbehagen, Orientierungslosigkeit, Verlorensein, Unsicherheit, Angst, Schmerz, Ohnmacht, Hilflosigkeit, Trauer, Abschied, zugleich auch Sehnsucht, Zuversicht, Neugier, Lebensfreude, Dankbarkeit, Liebe, Verbundenheit, Freisein…

 

Gefühle kommen und gehen in Wellen, manchmal sind wir uns ihrer bewusst während sie da sind, manchmal erst im Nachhinein. Manche plätschern sanft durch uns hindurch, manche spülen uns vom Strand und bringen uns an die Grenze des Erträglichen. Wir brauchen Zeit und Verständnis uns selbst und unserer Verletzlichkeit und Zartheit gegenüber. Zeit um Mitgefühl für uns und andere zu nähren. Eine sanfte Hand, ein Lächeln, ein freundlicher Blick, ein Augenzwinkern im richtigen Moment – spürbare Verbundenheit. Auf diese Art können kleine Schockelemente oder Belastungen langsam auftauen, bewusst gefühlt werden und sich regulieren. Lassen wir uns Zeit, können wir unserem Organismus vertrauen, dass er seine Balance wiederfindet.

 

Zusammenfassend möchte ich dich ermutigen: es ist lohnenswert, gerade jetzt stabilisierende Routinen beizubehalten und dein Vertrauen in die Welt im großen Mitgefühl wurzeln zu lassen. Peter Levine sieht darin eine wesentliche Bedingung, damit aus Schockerfahrungen keine langfristigen traumatischen Belastungen erwachsen. Trauma is not what happens to us, but what we hold inside in the absence of an empathetic witness. Dieser empathische Zeuge kann uns im Außen begegnen, zugleich können wir uns gerade jetzt in aller Freundlichkeit uns selbst und unseren Bedürfnissen zuwenden und selbst mitfühlend begleiten. Erst dann können wir gut für andere da sein. Im Blog findest du ein passendes Ritual vom März dazu.

 

Auch an den kommenden Retreats, Resilienzabenden, Adyashanti Gatherings werden obige Themen zentral sein. Deshalb freu ich mich diesmal ganz besonders, dich beim Retreat Stille Wellen im Juli zu sehen. Komm und tauch ein in die respektvolle freundliche Atmosphäre, um all die Anstrengungen und Sorgen, die dein Herz, deinen Körper und deinen Geist in den letzten Wochen belastet haben, in einer friedvollen Atmosphäre zu erspüren, loszulassen und zu heilen.

 

Alles Liebe und Gute für dich und alle Wesen dieser wunderbaren Erde,

Tanja

REINIGUNGS-RITUAL

Dieses innere Bild ist für dich gedacht, wenn du dich zwischendurch oder vor dem nach Hause kommen gründlich reinigen möchtest. Vor allem wenn du gerade an Orten mit viel Stressenergie oder Ängsten arbeitest, kannst du es regelmäßig verwenden. Ich verdanke dieses Reinigungsritual einer lieben Freundin. Bless you, Annie!

 

Such dir einen ruhigen Ort, an dem du ein paar Minuten in Ruhe für dich sein kannst. Das kann durchaus im Auto sein oder unter einem Baum, bevor du deinen Wohnraum betrittst.

 

Nimm ein paar ruhige Atemzüge und schließe die Augen. Spüre die Berührung der Füße am Boden, die Bewegung deines Atems, das Pulsieren deines Herzschlags. Nimm war, wie sich die Schwingung deines Nervensystems anfühlt, wenn dir das möglich ist.

 

Atme bewusst die tiefe Ruhe der Erde unter dir ein und atme Stressenergie aus, so oft du möchtest und dein Körper das Bedürfnis danach hat.

 

Stell dir vor über dir entspringt ein Wasserfall heilsamen Lichts, dass auf dich und durch dich herabströmt und dich reinigt, ohne dass du etwas tun müsstest. Vielleicht kannst du das Licht sehen, vielleicht das Wasser plätschern und rauschen hören, vielleicht Wasser und Licht auf deiner Haut spüren oder alles auf einmal. Das Licht spült alle Energien, die nicht zu dir gehören und die du versehentlich an dich gezogen hast ab. Gemeinsam mit dem Lichtwasser fließen sie in den Boden und dienen der Erde als Nahrung. Sie weiß am besten, was damit zu tun ist.

 

Bleib solange unter dem Lichtwasserfall wie es für dich gut ist. Wenn du dich gereinigt fühlst, spür die Bewegung des Atems in deinem Körper, die Füße am Boden, die Ruhe der Erde. Wenn du dich danach fühlst, kannst du dich bedanken.

 

Enjoy!

März 2020

KEEP CALM AND STAY CONSCIOUS

 

Das Leben hat mich früher als geplant aus Portugal zurück geholt. Ein eigentümliches Gefühl am Rückflug, Atemmasken und eine erhöhte verunsicherte Grundschwingung, aber auch Ruhe und Gelassenheit rundum.

Spürbare Erleichterung, wieder sicher zu Hause anzukommen, in meinen vier Wänden. Nicht auszudenken, wie ich mich fühlen würde, wenn ich grade kein Zuhause hätte, in das ich zurückkehren könnte.

Große Dankbarkeit für den vollen Kühlschrank, denn selbst wenn gewisse Lebensmittel nicht im Kaufhausregal liegen, weiß ich: es ist genug da. Nicht auszudenken, wenn ich nicht wüßte, was ich morgen essen kann.

Schön zu wissen, dass Familie, FreundInnen und Nachbarn für einander da sind, wenns drauf ankommt, auf allen möglichen Kommunikationskanälen.

Ein großes Danke an alle, die weltweit im Moment die Stellung für uns alle halten! You are doing great, thank you so much!

 

Ich bin ebenfalls da, soweit es möglich ist, auf Skype, Zoom oder telefonisch. Alle vereinbarten Termine können online stattfinden, außerdem möchte ich allen, die einen zusätzlichen Termin möchten, anbieten, sich zu melden.

Ansonsten, für alle, die Zeit dafür haben: Bewusstheitsübung machen, in den Frühling spazieren, MEditieren, Kasten ausmisten, freundlich zu den Nachbarn sein… euch fällt schon was ein 🙂

 

Die Verunsicherung, die wir alle spüren, ist neben all ihren unangenehmen Symptomen eine Chance, unsere Erdungswerkzeuge zu nutzen, zu prüfen und bei Bewusstsein zu bleiben. Dazu ein kleines Ritual weiter unten.

Außerdem möchte ich euch ermutigen, allen Gedanken, die nicht Mitgefühl und Güte entspringen, in aller KLarheit zu misstrauen. Wir schaffens nur gemeinsam, und niemand ist schuld an der Verbreitung eines Virus. So verführerisch Schuldgedanken auch sein mögen – Keep calm and stay concsious!

 

Bleibts gsund und alles Liebe,

Tanja

Uncertainty

Friend, please,
Do not try to decide now.
Do not shut any possibility out of your heart.
Honour this place of not-knowing.
Bow before this bubbling mess of creativity.

Slow down. Breathe.
Sink into wonderment.
Befriend the very place where you stand.
Any decision will make itself, in time.
Any choice will happen when your defences are down.
Answers will appear only when they are ready.
When the questions have been fully honoured, and loved.

Do not label this place ‘indecision’.
It is more alive than that.
It is a place where possibilities grow.
It is a place where uncertainty is sacred.

There is courage in staying close.
There is strength in not knowing.

Friend, please know,
There is simply no choice now.

Except to breathe, and breathe again,
And trust this Intelligence, beyond mind.

(Jeff Foster)

Erdungsritual

Halte in den nächsten Wochen jeden Tag einmal inne. Am besten an einem ruhigen Ort nahe einem Stückchen Natur, der Baum nebenan ist perfekt.

 

Bleib stehen oder setz dich hin und atme zumindest 30 mal bewusst ein und aus. Du kannst ruhig leise innerlich mitzählen.

 

Dann lass den Atem los und nimm war wie der Körper von alleine atmet, wenn du nichts tust.Spür den Boden unter dir, die Luft um dich herum.

 

Nimm bewusst war, was du hörst um dich herum und welches Geräusch (oder Stille) du als angenehm wahrnimmst.

Nun nimm bewusst war, was du um dich herum siehst und welcher Blickwinkel , welches Bild für dich angenehm ist.

 

Nimm als nächstes wahr, was du jetzt im Körper spürst und empfindest. Wende dich dem Teil des Körpers zu, den du als angenehm, sicher oder stabil wahrnimmst. Selbst wenn das nur ein winziger Teil ist,  Zehenspitzen sind ein guter Anfang.

 

Nun nimm wahr, was du denkst, ohne Absicht, ohne Urteil. Halte mit einem tiefen Atemzug alle Gedanken an und denke an ein beruhigendes inneres Bild, einen Moment in deinem Leben, der sicher und vertraut war, an dem du dir ganz nah warst. Bleib einige Atemzüge dabei und beobachte, wie sich dein Empfinden verändert.

Wenn dir kein Erlebnis einfällt, denk an schöne Musik, ein Bild aus der Natur, ein Baum, ein Berg, das Meer, ein Tier…

Verbinde das beruhigende Bild mit dem angehmen, stabilen Bereich deines Körpers, indem du deinen Atem zwischen Kopf und Körperteil hin- und her fließen lässt.

 

Beende die Erdung mit bis zu 10 tiefen Atemzügen, währenddessen du bewusst den Kontakt zum Boden spürst.

 

Geh gut verankert weiter durch deinen Tag!

 

Zur Unterstützung werde ich jeden Tag von 9-9:15 Uhr vormittag das Erdungsritual machen. Join in, wo auch immer du bist. Energetisch sind wir verbunden.

 

May you be blessed!

Somatische Intelligenz, Resilienz und innerer Frieden

 

In meiner wegbegleitenden Praxis melden sich zunehmend mehr Menschen, die über Trauma und/oder polyvagale Theorie gelesen bzw gehört haben. Zumeist handelt es sich um Informations-Puzzleteile, die durch verschiedene (Online-)Kanäle ins kollektive Bewusstsein einfließen. Mir scheint es wichtig, Zusammenhänge herzustellen, damit neurobiologisches Wissen als nahrhafte Ergänzung zu bisherigen therapeutischen Wegen einfließen kann und nicht mit Erlösungsphantasien belastet wird. Deshalb möchte ich dem Newsletter gerne im Laufe des Jahres 2020 regelmäßig Wissen zu somatischer Intelligenz voranstellen, dass sich aus meinen therapeutischen und wissenschaftlichen Lernfeldern speist. Besonders Gerald Hüther, Peter Levine und Marianne Bentzen haben mich nachhaltig mit ihren Erkenntnissen und therapeutischen Tools beindruckt. Diese Werkzeuge, die tägliche Arbeit in der Praxis mit Menschen und der Austausch mit KollegInnen aus verschiedensten Disziplinen bilden die Basis meines Tuns und eröffnen neue Blickwinkel.

 

Die Literaturhinweise findet ihr auf der Webseite http://www.beautyofbeing.org/trainers/

 

Was hat Resilienzfähigkeit mit somatischer Intelligenz zu tun?

Um selbst-wirksam sein zu können, brauche ich Bewusstsein über die Bewegungmuster meiner urspünglichen Lebensenergie und dessen, was sie blockiert. Eine Möglichkeit, dieses Bewusstsein zu entwickeln, ist, das autonome Nervensystem  als grob- und feinstoffliche Energie im Körper spüren und tracken zu lernen. Als Basis unseres Instinkts und unserer Überlebensenergie ist es ein ehrlicher Informant über unsere Beziehung zu uns selbst und unserer Umwelt. Ein kleines Beispiel: Die neuronale Struktur unseres Darms (Viszera) sendet 9 sensorische Impulse an verschiedene Zonen im Gehirn, während im Verhältnis dazu 1 motorisches Signal vom Gehirn in die Organe entsandt wird. Anders formuliert, können wir unsere innere Sicherheit, das subjektive Gefühl von Sicherheit, als Wohlgefühl im Bauch spüren. Fühle ich mich mit mir selbst verbunden (sicher), entwickelt sich aus mir eine authentische Hinwendung zur Welt, eine Neugier auf das Leben.

 

Studien zeigen, dass weiße (Denk-)Substanz in den Nervenzellen des Darmes angelegt ist, wir könnten tatsächlich von einem „Darmhirn“ sprechen. Ein einfaches Interesse an und bewusster Zugang zu diesen Informationen schafft Raum, um unsere somatische Intelligenz erspüren zu lernen um uns nach und nach wieder auf unser Bauchgefühl zu verlassen.  Aus philosophischer Sicht könnten wir Frieden schließen mit dem Tier in uns und damit beginnen, den Hirnstamm (das Reptilienhirn) als wesentlichen, ursprünglichen Teil unseres Seins wertzuschätzen anstatt im freudianischen Sinn als unkontrollierbares ES zu fürchten.

 

Ähnlich verhält es sich mit der emotionalen Intelligenz unseres biologischen Herzens. Messbare elektromagnetische Wellen ermöglichen uns, in einem Umkreis von 3-5 Metern feinstoffliche  Informationen zwischen zwei Menschen wahrzunehmen. Je mehr wir uns dieser Präsenz bewusst sind, desto besser können wir uns von unangenehmen Energien abgrenzen und uns angenehme Beziehungsräume suchen. Mehr dazu im nächsten Newsletter im Mai.

 

Meine Arbeit, Wegbegleitung, ist darauf fokusiert, somatische Intelligenz und emotionale Intelligenz mit unseren kognitiven Fähigkeiten zu verbinden. In dieser Verbindung nutzen wir alle Bereiche unseres über Jahrtausende gewachsenen dreieinigen Gehirns (Reptilienhirn, limbisches System und Großhirn). Daraus vermag Bewusstsein zu erwachsen, in dem unsere gesamte Existenz Raum findet und zunehmend mehr Bewusstheit angstvolle Projektionen und leidvolle Muster durchdringt. So kann eine entspannte Kultur des Vertrauens wachsen, neben der alte Abwehrmechanismen immer weniger notwendig sind. Das ist für mich Friedensarbeit, in und am Menschen.